WOFÜR STEHEN WIR ? 

 Unsere GEschichte 

Unsere Geschichte beginnt mit einer gemeinsamen Schauspielausbildung in Wien, die uns 2015 zusammenführte. Die herausfordernde Zeit des Studiums schweißte uns dabei genauso zusammen wie unsere verwandten, sich auf verschiedene Weise ergänzenden und befruchtenden künstlerischen Zugänge. Trotz oder gerade wegen unserer Verschiedenheit als Persönlichkeiten funktionieren wir sehr gut als Team, da so manchmal höchst unterschiedliche Perspektiven aufeinanderstoßen, verhandelt und ausdiskutiert werden. Schon während unserer Ausbildung genossen wir nicht nur die Ergebnisse unserer Zusammenarbeit, sondern auch die zwischenmenschliche Ebene, die von gegenseitigem Respekt, Verständnis, Unterstützung und Zuspruch geprägt war.
Dieses enge Arbeits- und Freundschaftsverhältnis ist bis heute erhalten geblieben und hat sich sogar noch intensiviert: Über Ländergrenzen und Zeitzonen hinweg hielten wir Kontakt und tauschten uns weiter aus. Das schafften wir nicht zuletzt durch unsere inzwischen legendär gewordenen wöchentlichen Zoom-Konferenzen. Denn egal ob in Wien, London, Berlin oder Istanbul: Nach unserer gemeinsamen Zeit an der Schauspielschule waren wir selten zu dritt an ein und demselben Ort. Wenn wir uns jedoch trafen, waren die Begegnungen umso intensiver. Als enge Freundinnen, die sich leider nur ab und zu sehen, bestehen unsere Tage bei solchen Zusammentreffen natürlich nicht nur aus Arbeit an unseren Projekten, sondern vor allem aus intensivem Austausch auf persönlicher Ebene, gemeinsamem Lachen, Weinen und Philosophieren, woraus sich nicht selten auch neue Projektideen ergeben.
Bei einem solchen Zusammentreffen im Herbst 2020 drehten wir schließlich unsere erste selbstgeschriebene Szene, was sich als kleine Offenbarung für uns herausstellte. Wir fanden Gefallen daran uns nicht nur als Schauspielerinnen in eine Geschichte einzubringen, sondern unsere eigene Geschichte auf allen Ebenen der Produktion selbst zu gestalten.

Durch weitere gemeinsam gedrehte Szenen fanden wir den Mut unsere Geschichten professioneller umzusetzen, was schließlich in der Produktion unseres ersten Kurzfilms Die Frage nach dem Fenster gipfelte.
Ermutigt durch die bereichernde Zusammenarbeit an diesem experimentellen Kurzfilm und durch zahlreiche Ideen für zukünftige Projekte, beschlossen wir uns mit dem vulpecula collective einen Namen und mit dem dazugehörigen Logo auch ein Gesicht zu geben.

VULPECULA HÄ?! 

Dem Namen vulpecula collective ging eine lange Suche nach einer passenden Bezeichnung für unsere künstlerische Vereinigung voraus.
Bald nachdem wir einander während der Schauspielausbildung gefunden hatten, bezeichneten wir unser Trio intern als foxes. Auch wenn wir den konkreten Ausgangspunkt dieses Namens nicht mehr mit letzter Sicherheit nachvollziehen können, spielten die Assoziationen, die dieses Tier in uns weckte, wohl eine zentrale Rolle: Mit den Füchsen verband uns eine subtile Stärke, die womöglich nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, sich aber Schritt für Schritt offenbart. Damit erkannten wir auch den entscheidenden Vorteil, unsere Projekte unbeobachtet von den Blicken anderer in Ruhe planen und umsetzen zu können. Da wir die Anfänge unseres gemeinsamen Weges auch in unseren Namen einbeziehen wollten, blieben wir dem Bild des Fuchses auf der Suche nach einer geeigneten Bezeichnung treu.
Wie durch Zufall stießen wir dabei irgendwann auf das Sternbild des Füchsleins (lat. vulpecula), von dessen Charakteristika wir uns sofort angezogen fühlten: Durch seine nur schwach leuchtenden Sterne wirkt der kleine Fuchs zwar zunächst unscheinbar, er sollte jedoch im wahrsten Sinn des Wortes nicht unterschätzt werden, da er im Zentrum der Milchstraße beheimatet, wertvolle astronomische Objekte beinhaltet.
Dieses Sternbild schien uns in seinen Charakteristika unglaublich ähnlich zu sein und damit wie kein anderes Symbol geeignet dafür, unser Kollektiv zu repräsentieren.
Denn das wollen wir sein: Ein Kollektiv aufstrebender Künstler*innen, die partizipativ, gemeinschaftlich und gleichberechtigt ihre Visionen umsetzen. Es ist erst die Zusammenkunft vieler verschiedener Partikel, die Sterne zum Leuchten bringen. So strebt auch unser Kollektiv nach Erweiterung und Bereicherung durch diverse Perspektiven. Wachstum ist angesagt - das Universum macht es uns mit seiner unfassbaren Weite vor. Auch wir wollen wachsen und immer mehr Menschen Raum geben, sich künstlerisch auszudrücken. Bei allem erwünschten quantitativen Wachstum wollen wir nie unsere künstlerischen Ansprüche, die Tiefe unserer Anliegen vergessen. Dafür steht das vulpecula collective
Dafür stehen wir. 
Und wir haben gerade erst begonnen.


Unsere Motivation 

Am Beginn unserer Reise zu den Sternen stand eine tiefe Krise, die nicht nur uns betraf: Die Corona-Pandemie hielt die ganze Welt in Atem und hatte weite Teile des kulturellen Lebens zum Erliegen gebracht. Als Schauspielerinnen standen wir gerade erst am Anfang und der Abschluss unserer gemeinsamen Ausbildung lag noch nicht lange zurück. Jetzt, wo wir eigentlich künstlerisch abheben wollten, wurden wir auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Geplante Produktionen fielen und neue Angebote blieben aus. Vor diesem Hintergrund und inmitten der Krise reifte in uns langsam der Gedanke, dass wir uns in unserem künstlerischen Schaffen nicht länger in diesem Ausmaß von Faktoren abhängig machen konnten, die nicht in unseren Händen lagen. Und das betraf keineswegs nur die Corona-Krise: Als Schauspielerinnen hatten wir - je nach Produktion - nur wenig Einfluss darauf, welche Geschichten mithilfe unserer Gesichter erzählt wurden und in welcher Form dies geschah. Immer öfter kam es vor, dass wir Angebote ablehnen mussten, weil wir sie schlichtweg moralisch nicht vertreten konnten, egal ob es an der Geschichte selbst lag oder an der Art ihrer künstlerischen Umsetzung und Inszenierung. So sahen wir uns unter anderem mit rassistischen und sexistischen Inhalten konfrontiert.
Wir wollten spielen, aber nicht um jeden Preis. 
Wenn uns die Branche aufgrund unterschiedlichster Faktoren nicht genügend Möglichkeiten bot, uns künstlerisch adäquat auszudrücken, dann mussten wir die Sache selbst in die Hand nehmen und nach den Sternen greifen.

Unsere Vision 

Unser Grundsatz

Die Produktionen des vulpecula collectives sollen feministisch durchdrungen sein, wobei hier der intersektionale Ansatz zentral für uns ist, um gegen verschiedene Diskriminierungsformen gleichermaßen vorzugehen.

Unsere Herangehensweise

Gemäß dem intersektionalen Feminismus wollen wir uns mit unserer Arbeit gegen unterschiedliche Diskriminierungsformen aussprechen; so etwa gegen Sexismus, Homo- und Transphobie, Rassismus, Antisemitismus, Klassismus, Ableismus, Lookismus, Ageismus und Speziesismus.
Das vulpecula collective ist also breit aufgestellt und soll genauso für Geschlechtergerechtigkeit und female empowerment, wie für vegane Produktionen, Nachhaltigkeit und green producing stehen.
Bei unseren Projekten soll Diversität auf allen Ebenen gelebt werden, was etwa Geschlecht, sexuelle Orientierung, Herkunft, Religion, soziale Klasse, körperliche/geistige/psychische Beeinträchtigungen, körperliche Erscheinungsformen oder Alter betrifft. Das gilt für die Crew unserer Produktionen genauso wie für die Cast. Insbesondere bei Letzterem werden wir im Sinne der Intersektionalität daran arbeiten, Stereotypen durch die Rollenzuteilung aktiv entgegenzuwirken.
Einen weiteren unserer Schwerpunkte werden wir auf inklusive Arbeit legen, nicht nur was den Cast und Crew unserer Projekte betrifft, sondern auch in Bezug auf unser Publikum: So wollen wir unsere Produktionen auch als Versionen für Menschen mit Sehbehinderung sowie Menschen mit Hörbehinderung zur Verfügung stellen und unsere Inhalte auf dieser Website in einfacher Sprache für alle Interessierten leicht zugänglich und verständlich machen.
Hinsichtlich diverser Diskriminierungsformen wollen wir uns außerdem für eine sensible Sprache einsetzen und diese aktiv praktizieren.
Überhaupt wird die Sprachenthematik auch in zukünftigen Produktionen des vulpecula collectives eine große Rolle spielen, da wir bei unserer Arbeit einen multikulturellen Ansatz verfolgen und uns demgemäß um die Einbindung und Erhaltung diverser Sprachen und Dialekte bemühen wollen.
Unsere Herangehensweise mag vielleicht unkonventionell erscheinen, doch wir lassen uns nicht durch branchenübliche Vorgaben und Traditionen, Dos oder Don’ts einschränken. Auch das ist es, was das vulpecula collective im Kern ausmacht.

Unsere Ausrichtung

So vielfältig wie unsere Herangehensweise ist auch unsere künstlerische Ausrichtung.
Bei unserem ersten experimentellen Kurzfilmprojekt Die Frage nach dem Fenster legten wir unseren Fokus unter anderem auf Ängste in Zusammenhang mit Sprache und die Überwindung derselben, wobei wir dies exemplarisch an der burgenlandkroatischen Volksgruppe demonstrierten.
Unserem Kollektiv entsprechend, werden unsere zukünftigen Projekte bunt gefächert sein. Dabei wollen wir uns weder auf eine Kunstform, noch auf ein bestimmtes Genre oder auf endgültige Themenbereiche festlegen. Unsere künstlerische Ausrichtung soll so umfassend sein wie das Universum, das wir uns für unser Kollektiv zum Vorbild nahmen. Wichtig ist uns aber in jedem Fall die regelmäßige Beschäftigung mit konfliktbeladenen und wichtigen gesellschaftlichen Themen. Dabei muss und soll der Faktor der Unterhaltung nicht zu kurz kommen, jedoch immer den gewählten Themen angemessen und unterstützend eingesetzt werden.
Bei dazu geeigneten gesellschaftspolitischen Themen soll ein je nach Erfolg der Produktionen variierender Teilerlös passend dazu ausgewählten Organisationen zugutekommen.

Unsere Arbeitsethik

Bei unseren Produktionen setzen wir auf eine professionelle, aber auch familiäre Arbeitsatmosphäre, bei der die Freude und der Spaß am künstlerischen Ausdruck nicht zu kurz kommen sollen. Dabei werden wir im Rahmen unserer Möglichkeiten diverse Kunstschaffende fördern. Im Zuge dessen wollen wir individuell auf alle Beteiligten, ihre Talente und Bedürfnisse eingehen. Denn verschiedene Menschen bringen auch verschiedene Perspektiven mit sich, denen wir Raum geben wollen und die uns gleichzeitig bereichern und erweitern. So sollen Produktionen des vulpecula collectives von partizipativer Arbeit und flachen Hierarchien geprägt sein. Alle Beteiligten können und sollen sich unabhängig von ihrer jeweiligen Position in der Produktion dazu ermutigt fühlen, mit zu diskutieren sowie Vorschläge zu machen und dadurch die erzählten Geschichten aktiv zu beeinflussen.
Neben unserer Arbeit im Kollektiv wird gerade bei konfliktbeladenen gesellschaftspolitischen Themen, aber ganz grundsätzlich bei jeder Produktion eine fundierte Recherche für uns unabdingbar sein. Dazu soll je nach gewählter Thematik etwa eine psychologische oder historische, gemeinhin wissenschaftliche Beratung durch Expert*innen zählen. Genauso werden auch Gespräche mit von der jeweiligen Thematik direkt Betroffenen und deren aktive Mitgestaltung der erzählten Geschichten zu einer guten Projektvorbereitung gehören.
Vor dem Hintergrund zahlreicher Missbrauchsfälle in der Kunst- und Kulturbranche wollen auch wir unseren Beitrag zu einem sicheren Arbeitsumfeld leisten. So werden Intimitätskoordinator*innen bei intimen Szenen genauso Teil unserer Arbeit sein wie Informationen zur österreichischen Anlaufstelle für Übergriffe und Machtmissbrauch #we_do!
Willkommen in unserem Kollektiv sind alle, die unsere ethischen Grundsätze zur Antidiskriminierung teilen. Dabei wollen wir aktiv Kollaborationen mit hierzu passenden Organisationen und Vereinen anstreben sowie in Bezug auf Bewerbungen Angehörigen marginalisierter Gruppen bei gleicher Eignung den Vorzug geben.
Immer, aber besonders in einem Arbeitsumfeld mit von Diskriminierung Betroffenen, werden Toleranz, Offenheit und awareness für uns bestimmend sein, sodass alle genügend Zeit und Raum bekommen, einfach zu sein.

Unsere Ziele

"Im Anderen das Gemeinsame erkennen, ermöglicht durch das Verbindungselement der Kunst."
Das vulpecula collective sieht Kunst im weitesten Sinn als Macht zur Veränderung - bei uns selbst, die wir Kunst schaffen genauso wie beim Publikum. Ob uns die künstlerischen Werke amüsieren, betroffen machen, aufregen oder zum Nachdenken anregen - der verändernde Aspekt ist dabei entscheidend.
Den aristotelischen Gedanken der Katharsis weiterverfolgend, wollen wir dem Publikum nicht nur die Möglichkeit geben, eigene Gefühle stellvertretend durch eine Figur auszuleben, sondern im besten Fall auch bisherige Glaubenssätze und Meinungen durch unsere Produktionen infrage zu stellen und dadurch zum kritischen Denken und Reflektieren animiert zu werden.
Die Rezipient*innen sollen sich in unseren Werken wiedererkennen und sich verstanden fühlen, aber auch andere noch mehr verstehen lernen:
"Alle Menschen müssen die Möglichkeit haben, Geschichten zu erschaffen, zu teilen & in sich aufzunehmen, Geschichten, die ihre Kultur & Community abbilden, damit wir alle im gleichen Maß Bestätigung erfahren.“ [Bernardine Evaristo, Manifesto. Warum ich niemals aufgebe (Stuttgart: Tropen, 2022) 245.]
Um das zu ermöglichen, wollen wir dabei helfen, Diversität auf allen Ebenen des Kunstschaffens zur Normalität zu machen und somit alle Rezipient*innen durch unsere Werke inspirieren zu können und ihnen künstlerischen Genuss zu bereiten.

Unsere Aussichten

Mit unserem Kollektiv greifen wir wahrlich nach den Sternen. Denn während wir einige zentrale Punkte bei unserem ersten Kurzfilmprojekt bereits eingebunden haben, konnten wir viele unserer Anliegen unter anderem aus budgetären Gründen noch nicht umsetzen.
Klar ist aber, dass wir gegen alle Diskriminierungsformen mit der gleichen Aufmerksamkeit und Entschlossenheit auftreten wollen. Daran werden wir bei unseren zukünftigen Projekten intensiv arbeiten.
Uns ist bewusst, dass wir drei, die wir am Anfang des vulpecula collectives stehen, als weiße Cis-Frauen aus der Mittelschicht eine besondere Verantwortung gegenüber unserem intersektionalen Ansatz haben. Hierbei wird unsere partizipative Arbeitsweise unter Einbindung Angehöriger marginalisierter Gruppen in allen Positionen der Produktion von entscheidender Bedeutung sein. Denn wir wollen unsere Privilegien nutzen; nicht als Gönnerinnen, sondern als Verbündete. 
Doch auch wir sind nicht vollkommen und machen Fehler; sind weder frei von Fehl-, noch von Vorurteilen. Aber wir sind bereit zuzuhören und zu lernen, uns stetig weiterzubilden und gemeinsam zu wachsen. Insofern sind wir auch immer dankbar für Hinweise und konstruktive Kritik von außen - gerade vonseiten marginalisierter Gruppen.
Vor diesem Hintergrund wächst in uns die Hoffnung, dass mit unserem Kollektiv ein neuer Stern am Kunsthimmel aufgegangen ist - auf dass er hell leuchten möge!